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Cluster 2 · Kaufpreis & Marktwert

Vergleichswertverfahren in der Praxis

Praxis-Vertiefung zum Vergleichswertverfahren mit Datenquellen, Anpassungsfaktoren und Rechenbeispiel. Ergänzt den Grundbegriff um konkrete Anwendungshilfen.

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Vergleichswertverfahren in der Praxis

Auch: VWV-Praxis Comparable Sales Approach · Rechtliche Grundlage: §§ 183 ff. BewG, ImmoWertV

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  • VWV-Praxis
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  • vergleichswertverfahren
  • verkehrswert
  • sachwertverfahren
  • ertragswertverfahren updated: "2026-05-22"

Kurz erklärt

Das Vergleichswertverfahren bestimmt den Verkehrswert einer Immobilie aus den Verkaufspreisen vergleichbarer Objekte in der Umgebung — adjustiert um Unterschiede in Größe, Lage, Ausstattung, Zustand. Es ist das Standard-Verfahren für Eigentumswohnungen, Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften in Deutschland, da hier ausreichend Vergleichsobjekte verfügbar sind.

Geregelt in §§ 183 ff. BewG sowie in der ImmoWertV (Immobilienwertermittlungsverordnung). Es ist eines der drei normierten Bewertungsverfahren neben Sachwert- und Ertragswertverfahren.

Datenquellen für Vergleichswerte

| Quelle | Charakteristik | |---|---| | Gutachterausschüsse der Länder | amtliche Verkaufsdaten + Marktanpassungsfaktoren | | BORIS-D / Bundesländer-Portale | öffentlich zugängliche Bodenrichtwerte und Grundstücksmarktbericht | | AMI (Automatisches Marktmonitoring) | Premium-Datenbank der Gutachterausschüsse | | Notar-Datenbanken | tatsächlich erzielte Kaufpreise mit Datum + Standort | | Plattform-Aggregatoren (Immowelt, ImmoScout) | Angebotspreise, geringere Aussagekraft |

Standardisierte Anpassungsfaktoren

  • Lage: A-Lage +20 % bis -20 % vs. Durchschnittslage
  • Baujahr: jünger = höherer Wert; Bj. 2010 vs. 1970 typisch +15–25 %
  • Modernisierungs-Stand: komplett saniert vs. unrenoviert +20–35 %
  • Ausstattung: einfach/mittel/gehoben/Premium — Spread 30 %
  • Geschoss: EG / 1.OG / 4.OG mit Aufzug — Spread bis 15 %
  • Wohnfläche: sehr klein (< 30 m²) oder sehr groß (> 200 m²) erzielt schlechtere €/m²-Werte
  • Verkaufsdatum: Anpassung an aktuellen Marktindex (Preisstand 2024 vs. 2020)
Vergleichswert-Ermittlung in der Praxis
60-m²-ETW München · Bj 2010 · Bewertungsstichtag heute
Vergleichsverkauf 1: 65 m² Bj 2008, gleiche Straße7.900 €/m²
Vergleichsverkauf 2: 55 m² Bj 2012, Nachbarstraße8.300 €/m²
Vergleichsverkauf 3: 70 m² Bj 2009, gleiches Quartier8.100 €/m²
Vergleichsverkauf 4: 50 m² Bj 2011, anderes Stockwerk7.800 €/m²
Median €/m²8.000 €/m²
+ Anpassungen (Aufzug, Süd-Lage, Bj-Korrektur)+/- 2 %
Angepasster Vergleichswert8.000 €/m²
Verkehrswert 60 m² × 8.000 €/m²480.000 €
Faktencheck:

Das Vergleichswertverfahren ist nur dann aussagekräftig, wenn mindestens 5–10 echte Vergleichsverkäufe aus den letzten 12–24 Monaten in unmittelbarer Umgebung vorhanden sind. In ländlichen Lagen mit wenigen Transaktionen ist es schwierig anwendbar — dort kommen Sachwert- oder Ertragswertverfahren zum Einsatz. In urbanen Großstadt-Quartieren mit hundert Verkäufen pro Jahr ist es das überlegene Verfahren.

Stolperfalle Angebotspreis ≠ Verkaufspreis:

Auf Immobilienportalen sieht man nur Angebotspreise, nicht die tatsächlich erzielten Kaufpreise. In Käufermärkten (2023+) liegt der tatsächliche Verkaufspreis oft 5–15 % unter dem Angebotspreis. Wer Vergleiche aus Portalen zieht, überschätzt den Marktwert systematisch. Echte Vergleichsdaten gibt es nur vom Gutachterausschuss oder über professionelle Plattformen.

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