Vergleichswertverfahren in der Praxis
VWV-Praxis Comparable Sales Approach · Rechtliche Grundlage: §§ 183 ff. BewG, ImmoWertVnumber: 147 slug: vergleichswertverfahren-praxis title: Vergleichswertverfahren in der Praxis aliases:
- VWV-Praxis
- Comparable Sales Approach cluster: kaufpreis shortDef: "Praxis-Vertiefung zum Vergleichswertverfahren mit Datenquellen, Anpassungsfaktoren und Rechenbeispiel. Ergänzt den Grundbegriff um konkrete Anwendungshilfen." legalAnchor: "§§ 183 ff. BewG, ImmoWertV" related:
- vergleichswertverfahren
- verkehrswert
- sachwertverfahren
- ertragswertverfahren updated: "2026-05-22"
Das Vergleichswertverfahren bestimmt den Verkehrswert einer Immobilie aus den Verkaufspreisen vergleichbarer Objekte in der Umgebung — adjustiert um Unterschiede in Größe, Lage, Ausstattung, Zustand. Es ist das Standard-Verfahren für Eigentumswohnungen, Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften in Deutschland, da hier ausreichend Vergleichsobjekte verfügbar sind.
Geregelt in §§ 183 ff. BewG sowie in der ImmoWertV (Immobilienwertermittlungsverordnung). Es ist eines der drei normierten Bewertungsverfahren neben Sachwert- und Ertragswertverfahren.
Datenquellen für Vergleichswerte
| Quelle | Charakteristik | |---|---| | Gutachterausschüsse der Länder | amtliche Verkaufsdaten + Marktanpassungsfaktoren | | BORIS-D / Bundesländer-Portale | öffentlich zugängliche Bodenrichtwerte und Grundstücksmarktbericht | | AMI (Automatisches Marktmonitoring) | Premium-Datenbank der Gutachterausschüsse | | Notar-Datenbanken | tatsächlich erzielte Kaufpreise mit Datum + Standort | | Plattform-Aggregatoren (Immowelt, ImmoScout) | Angebotspreise, geringere Aussagekraft |
Standardisierte Anpassungsfaktoren
- Lage: A-Lage +20 % bis -20 % vs. Durchschnittslage
- Baujahr: jünger = höherer Wert; Bj. 2010 vs. 1970 typisch +15–25 %
- Modernisierungs-Stand: komplett saniert vs. unrenoviert +20–35 %
- Ausstattung: einfach/mittel/gehoben/Premium — Spread 30 %
- Geschoss: EG / 1.OG / 4.OG mit Aufzug — Spread bis 15 %
- Wohnfläche: sehr klein (< 30 m²) oder sehr groß (> 200 m²) erzielt schlechtere €/m²-Werte
- Verkaufsdatum: Anpassung an aktuellen Marktindex (Preisstand 2024 vs. 2020)
Das Vergleichswertverfahren ist nur dann aussagekräftig, wenn mindestens 5–10 echte Vergleichsverkäufe aus den letzten 12–24 Monaten in unmittelbarer Umgebung vorhanden sind. In ländlichen Lagen mit wenigen Transaktionen ist es schwierig anwendbar — dort kommen Sachwert- oder Ertragswertverfahren zum Einsatz. In urbanen Großstadt-Quartieren mit hundert Verkäufen pro Jahr ist es das überlegene Verfahren.
Auf Immobilienportalen sieht man nur Angebotspreise, nicht die tatsächlich erzielten Kaufpreise. In Käufermärkten (2023+) liegt der tatsächliche Verkaufspreis oft 5–15 % unter dem Angebotspreis. Wer Vergleiche aus Portalen zieht, überschätzt den Marktwert systematisch. Echte Vergleichsdaten gibt es nur vom Gutachterausschuss oder über professionelle Plattformen.